Eine Story von unserem User Peter, der mit uns seine Erfahrung mit dem Zurückbekommen der Kaution geteilt hat. 

 
Das Wort Kaution kommt nicht zufällig vom lateinischen Wort für Vorsicht. Diese ist in Verbindung mit der beim Vermieter zur Sicherheit hinterlegten Geldsumme wirklich geboten.

Das musste ich leider auf die harte Tour lernen.

Als mein Mitbewohner und ich im Jahr 2011 in eine neue Wohnung einzogen, machten wir uns darüber jedenfalls noch keine Gedanken. Nach zwei Monaten zermürbender Hochsommerwohnungssuche in Wien, waren wir einfach froh, ein leistbares, Zweier-WG taugliches Dach überm Kopf gefunden zu haben, noch dazu in hervorragende Lage.

Als wir uns dann bei den neuen Nachbarn vorstellen gingen, verwickelte uns eine Frau in ein Gespräch über den Vermieter und die Probleme, die manche Parteien im Haus mit ihm hätten. Sie riet uns, der Mietervereinigung beizutreten, wir lächelten höflich und nickten und deponierten den eigentlichen Grund unseres Besuches – die Bitte um Verständnis für die anstehende Einweihungsfeier und der einhergehenden Lärmbelästigung.

 
Der Kautionsbetrag war mit 2.500 Euro für eine unmöblierte Wohnung zwar ziemlich hoch, dennoch entschlossen wir uns, die Warnung der Nachbarin fürs Erste zu ignorieren.

Kurz zuvor hatten wir den Mietvertrag unterschrieben und die Kaution hinterlegt, und dabei unseren Vermieter als feinsinnigen, korrekten und durchwegs sympathischen Menschen kennengelernt. Der Kautionsbetrag war mit 2.500 Euro für eine unmöblierte Wohnung zwar ziemlich hoch, dennoch entschlossen wir uns, die Warnung der Nachbarin fürs Erste zu ignorieren.

Wir konnten auf vier schöne Jahre in der Wohnung zurückblicken, als wir sie im Juni 2015 dann wieder übergaben. Der Vermieter ließ sich nicht persönlich blicken, dafür inspizierte eine nette Dame von der Hausverwaltung mit uns die in zwei schweißtreibenden Tagen auf Vordermann geputzte Wohnung. Sie vermerkte die kleinen Mängel, wie ein fehlendes Backblech (mein Mitbewohner wollte in einem hellen Moment Essen in einer Tupperbox im Backrohr aufwärmen) und die defekte Duscharmatur in ihrem Protokoll und wir erkundigten uns nach unserer Kaution. Die Prokuristin erklärte uns, dass der Vermieter erst selbst die Wohnung inspizieren wolle, bevor er diese freigibt.

 
Einige Wochen später fand ich dann seine “Kautionsabrechnung” im Postkasten - ein Dokument, an dessen Ernsthaftigkeit ich zunächst zweifelte, da es an Absurdität schwer zu überbieten ist.

Einige Wochen später fand ich dann seine “Kautionsabrechnung” im Postkasten - ein Dokument, an dessen Ernsthaftigkeit ich zunächst zweifelte, da es an Absurdität schwer zu überbieten ist: Nicht nur, dass wir vollständig auf die hinterlegten 2.500 Euro Kaution verzichten müssten.  Nein, anscheinend hatten wir im Auge des Vermieters in unserem studentischen Gammeldasein die Wohnung dermaßen verunstaltet, dass wir ihm zusätzlich zur vollständigen Kaution noch 180 Euro schuldig wären.

 
So verrechnete sich unser ehemaliger Hausherr selbst einen Stundenlohn von 70 Euro für die Suche nach Mängeln in der Wohnung. In den drei veranschlagten Stunden wurde er auch ganz schön fündig: Unsere Schalter und Steckdosen waren demnach so verschmutzt, dass nur eine professionelle Reinigung für 100 Euro sie retten könne.

In der Auflistung der Kostenpunkte fanden sich etliche Schmankerln. So verrechnete sich unser ehemaliger Hausherr selbst einen Stundenlohn von 70 Euro für die Suche nach Mängeln in der Wohnung. In den drei veranschlagten Stunden wurde er auch ganz schön fündig: Unsere Schalter und Steckdosen waren demnach so verschmutzt, dass nur eine professionelle Reinigung für 100 Euro sie retten könne. Wie er auf den Betrag komme, war nicht ersichtlich. Er bezifferte in einem anderen Kostenpunkt einen “Mietentgang” für die Tage nach dem Auszug, den wir für ihn trotz aufgelösten Mietverhältnisses begleichen sollten. Fast 300 Euro würde uns die Reinigung der Fliesen im Badezimmer (die wir intensiv geputzt hatten) kosten. Doch unser Vermieter bewies mit dem Schreiben auch seine Großzügigkeit: Obwohl er sich im Recht sähe, zusätzliches Geld zu verlangen, erkläre er sich bereit, uns 500 Euro zurückzuzahlen, um “einen unnötigen und für beide Seiten zeitaufwendigen sowie kostspieligen Rechtsstreit zu vermeiden”.

Um etwas klarzustellen: Es gab in der Wohnung keine Schäden, die über die durch normalen Gebrauch anfallenden Abnutzungserscheinungen hinausgingen. Bis auf das fehlendes Backblech und die leckende Duscharmatur sahen wir keinen Grund, Abstriche beim hinterlegten Betrag in Kauf zu nehmen. Gleichzeitig wollten wir aber auch nicht in einen Rechtsstreit gehen, also einigten wir uns mit dem Vermieter darauf, bei einem persönlichen Treffen eine Einigung zu erzielen.

 
Hier saß ein extrem wohlhabender, gebildeter Mann, der uns zwei 24-Jährigen Studenten je 1000 Euro, also mehr als unser Monatseinkommen, wegnehmen wollte.

Wir waren erstaunt, wie überzeugt sich dieser zu sein schien, dass seine für uns weltfremden Forderungen absolut berechtigt seien. Er musste entweder wirklich ahnungslos oder ein exzellenter Schauspieler sein. Hier saß ein extrem wohlhabender, gebildeter Mann, der uns zwei 24-Jährigen Studenten je 1000 Euro, also mehr als unser Monatseinkommen, wegnehmen wollte. Er sah sich dabei voll im Recht und wirkte sogar entrüstet darüber, dass wir sein vermeintlich großzügiges Vergleichsangebot nicht voller Ehrfurcht und Dank annahmen. Ein Mann, der ohne auch nur eine Rechnung vorgelegt zu haben, einfach mal 100 Euro für die Reinigung von “Schaltern und Steckdosen” veranschlagt. Nachdem wir unseren Standpunkt erklärt hatten, erhöhte er seine Bereitschaft uns entgegenzukommen auf 900 Euro. Letztes Angebot. Take it or leave it.

 
Doch letztendlich war unser verletztes Gerechtigkeitsempfinden stärker als der Impuls zur Streitvermeidung.

Wir überlegten lange, keiner von uns hatte Lust darauf, ein Schlichtungsverfahren beim Magistrat einzuleiten. Doch letztendlich war unser verletztes Gerechtigkeitsempfinden stärker als der Impuls zur Streitvermeidung. Wir lehnten sein Angebot ab und wandten uns an die Schlichtungsstelle für Wohnrechtliche Angelegenheiten, jene Magistratsabteilung, die für mietrechtliche Streitfälle zuständig ist.

Unser Verfahren wurde vor fast zwei Jahren eröffnet. Außer einer ersten Anhörung ist seitdem nichts passiert, der Versuch mich im Rahmen dieses Blogeintrags über den aktuellen Stand unseres Falles zu informieren, schlug drei mal fehl - der zuständige Beamte war einmal auf Mittagspause, eine Stunde später nicht mehr im Büro und am nächsten Tag gar nicht erreichbar. Er hatte allerdings bei der Anhörung erwähnt, dass er gleichzeitig mehrere hundert dieser Fälle bearbeiten würde. Wahrscheinlich ist die Kaution, sollten wir sie irgendwann doch halbwegs vollständig zurückbekommen, inflationsbedingt weniger wert als das Vergleichsangebot von 900€. Aber das Gefühl, eine anmaßende Ungerechtigkeit einmal nicht achselzuckend zur Kenntnis genommen zu haben, wird die Differenz durchaus wert sein.

Es gibt ein paar Lehren.


Es gibt ein paar Lehren, die ich aus meiner Kautionsodyssee ziehen kann . Hiermit möchte ich dir weitergeben, was mein Mitbewohner und ich auf die harte Tour lernen mussten: 


Bei Ein- und Auszug: Mach Fotos von deiner Wohnung!


Bei uns hatte beim Einzug der Immobilienmakler Fotos gemacht, aber die Bilder waren leider nicht mehr auffindbar als wir ausgezogen waren. Dass etwa der Parkettboden auch bei Einzug schon in einem sehr schlechten Zustand war, wird nun schwer sein, zu beweisen.


Für Wiener: Lass deinen Mietzins überprüfen.


Wenn du, wie wir das taten, in einem Altbau in Wien wohnst und das Gefühl hast, zu viel Miete zu bezahlen, lass deinen Mietzins überprüfen. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass mehr zahlst, als gesetzlich erlaubt ist. Warte aber nicht zu lange damit - bei befristeten Mietverhältnissen endet die Frist für eine Überprüfung sechs Monate nach Auszug.


Zuständig ist, wie bei Kautionsstreitigkeiten, die Schlichtungsstelle für Wohnrechtliche Angelegenheiten.


Hier kannst du den Mietzins online überprüfen: https://www.wien.gv.at/richtwert/berechnung/


Zu guter Letzt: Lass dich nicht über den Tisch ziehen.


Ich frage mich oft, wie viele Parteien mein ehemaliger Vermieter schon über den Tisch gezogen hat, und wie viele Vermieter es ihm gleichtun. Auch wenn es nur verschwindend kleiner Teil der Wohnungseigentümer ist, es gibt sie, die Skrupellosen. Was ich weiß: Man muss sich Ungerechtigkeiten nicht gefallen lassen. Und es fühlt sich extrem gut an, für sein Recht einzustehen."


Wir bedanken uns bei Peter für seine Story und wünschen ihm viel Erfolg bei seinem Fall und euch allen, dass ihr vor solchen Komplikationen verschont bleibt.

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